Labyrinth (Küsse im Dom)

Labyrinthe lagen schon auf dem Grunde dieses Doms,
als noch bei vollen Monden sich hier Füchsinnen fanden-
bevor Herrscher kamen,
sahen,
zu planen und überbauen begannen...

Wir legen beide ein Ohr auf den Boden hier im Dom,
um das Echo zu hören
vom Gesang ferner Gören,
schwarzer Göttinnen Schwatzen
und das Schnurren ihrer Katzen...

Wir wissen schon was hier tun:
Wir werden beten umschlungen,
werden feiern Mund an Mund bei Marias Altar--
sie blinzelt auf uns herab
mit Verwundern und Bewunderung...

Ischtar hat ein Fell gebracht, denn der Marmor wird zu kalt--
sie hat sich zu uns gekuschelt,
amüsiert mit mir getuschelt,
uns ihr Paradies versprochen--
sie hat nach Schlafmohn gerochen...

Flammen auf weissen Kerzen zucken,
als wir ins Weihwasser spucken---
Plötzlich leuchtet ein Fenster,
denn du flüstertest: "Schwester"--
Deine Brustwarzen heben sich meinem Atem entgegen.

©1989 Brigitta Fischer